Wie man aus Altem etwas Neues macht

Veröffentlicht am 4 November 2019 von Verena Arnold
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Dass ihm das Zeichnen von Plänen liegt, wusste Alfred Pidner, geboren in Salzburg, schon als Kind. Schließlich hat er als Achtjähriger, nachdem seine Klasse in der Volksschule in Anthering gelernt hat, wie man maßstäblich zeichnet, seinen ersten Plan erstellt. Als es darum ging, zu entscheiden, was er studieren will, zögerte er. Ihm wurde nämlich gesagt, dass es schon zu viele Architekten gibt. Also hat er stattdessen das HTL-Kolleg für Altbausanierung und Restaurierung in Krems besucht.

Seinem Schicksal konnte Alfred Pidner letztlich doch nicht entgehen. Nach Abschluss des Kollegs meldete er sich an der Uni Innsbruck an, um das Architekturstudium in Angriff zu nehmen. Noch während seiner Studienzeit begann er mit dem planenden Baumeister Christof Hillebrand aus Strobl zusammenzuarbeiten. 2006 schloss Alfred Pidner sein Studium ab.

Weil der 46-Jährige aber lieber eigenständig arbeitet und seine eigenen Projekte realisieren wollte, entschied er sich, selbstständig zu werden. Alfred Pidner eröffnete sein Architekturbüro «raumlust» 2010 in Salzburg-Gnigl. Die Schwerpunkte liegen auf den Themen «Kombination von Alt und Neu», «Moderner Holzbau» sowie «Altersunabhängige Barrierefreiheit».

 

Alfred, du bist Architekt Diplom-Ingenieur. Inwiefern unterscheidet sich dein Titel von dem eines Architekten? Wann und aus welchem Anlass hast du beschlossen, das Unternehmen «raumlust» zu gründen? Wie würdest du deinen persönlichen Einrichtungsstil beschreiben?

Diplom-Ingenieur ist der verliehene Titel nach dem Abschluss eines technischen Studiums. Architekt hingegen ist der Berufs- beziehungsweise der Standes-Titel. Genauso wie die Bezeichnung «Arzt» ein Beruf ist, ist die Bezeichnung «Doktor» ein Studienabschluss. Demnach ist ein Arzt auch immer ein Doktor.

Die meisten Architekten sind Diplom-Ingenieure, kurz DI. Manche, die an einer Kunsthochschule studiert haben, sind Mag. art. Aber bei weitem nicht alle DI sind Architekten. Architekt ist man erst, wenn man nach einer gewissen Praxiszeit, die Ziviltechnikerprüfung abgelegt hat und vereidigt worden ist. Dann erst kann man selbstständig als Architekt arbeiten – ähnlich wie bei Rechtsanwälten, Notaren, Richtern, Ärzten.

Schon als Student habe ich mehrere eigene Projekte machen können. Ich wollte aber immer unabhängig eigene Ideen umsetzen und nicht längerfristig als Angestellter arbeiten. Die Domain raumlust.at habe ich mir 2003 sichern lassen – seit 2010 bin ich tatsächlich selbstständig.

Altes, schon Vorhandenes versuche ich immer wiederzuverwenden – öfters adaptiert und gewitzt verändert, in ein neues Umfeld gestellt. Wenn ich es mir aussuchen kann, dann nehme ich fast immer lieber das Alte als das Neue – auch wenn es mehr kosten sollte. Neues kaufen oder machen, kann jeder. Altes zu behalten erfordert mehr Mut, braucht mehr Fantasie, aber ist dafür meist einzigartig, beinhaltet Geschichte und damit Aura, hat Patina und strahlt Flair aus und kann Verwunderung hervorrufen, weil man es ihm nicht zugetraut hätte. So habe ich etwa die Küchenspüle meiner Großmutter aus den 1950er-Jahren in meine recht extravagante Büroküche integriert und sie damit in einen völlig neuen Kontext gesetzt.

Das Schätzen des Alten – und des Alterns von Materialien – ist zwar trotz Retro- und shabby-chic-Welle noch lange nicht Mainstream, wird aber – auch wegen der Ressourcenschonung und regionalen Wertschöpfung bei dessen Aufbesserung – hoffentlich in absehbarer Zeit nicht mehr so exotisch sein wie heutzutage.

 

Woraus setzt sich dein Angebot zusammen? Auf welche Schwerpunkte konzentrierst du dich? Welche Produkte bietest du an? Wie läuft eine Bedarfs- und Möglichkeitsanalyse ab und wozu dient diese Analyse?

Oft mache ich Erweiterungen von bestehenden Häusern. Zum Beispiel schaffe ich Wohnraum für Kinder, die zwar ausziehen sollen, aber nicht können, weil es zu teuer ist. Aber auch Umbauten realisiere ich, zum Beispiel für reifere Paare, die mehr Licht, Luft und Sonne in ihr Leben bringen wollen. Natürlich sind auch Neubauten dabei. Auch Leute, die ihr Geld in Immobilien anlegen wollen, kommen zunehmend auf mich zu.

Altes und Neues zu verbinden ist sicherlich ein sehr wichtiges Themenfeld, genauso wie der moderne Holzbau. Zum allergrößten Teil entwickle ich Konzepte und führe diese dann bis zur behördlichen Einreichplanung weiter aus.

Einerseits nehme ich mir viel Zeit, um die Anforderungen, Vorstellungen und teilweise verborgenen Wünsche der Baudamen und -herren kennenzulernen und herauszufinden. Andererseits stecken das Grundstück oder das Gebäude – vor allem ein bestehendes – den Rahmen schon ab, was bedeutet, dass gewissermaßen schon feststeht, was überhaupt möglich ist, was langfristig sinnvoll ist und was überlegt werden soll. Beides gilt es geschickt in Einklang zu bringen – dabei soll aber keinesfalls der kleinste gemeinsame Nenner herauskommen. Versteckte Potenziale aufzuspüren und auch Künstlerisches einfließen zu lassen, ist mir ein großes Anliegen – was letztlich den zukünftigen Bewohnern zu Gute kommt und sie dann später zu schätzen wissen.

 

Welche Utensilien verwendest du in deinem Arbeitsalltag am liebsten und warum? Was gehört zu deiner Grundausstattung? Mit welchen Programmen arbeitest du?

Eigentlich bräuchte ich ja nur einen Stift und ein Blatt Papier – aber zum größten Teil verwende ich meinen Rechner mit einem Zeichenprogramm, mit dem ich dreidimensional ein Gebäude modellieren kann.
Modelle baue ich derzeit – leider – keine (mehr), weil diese in der Herstellung recht zeitintensiv und damit teuer sind. Allerdings ist ein Modell in vielerlei Hinsicht unschlagbar, weil es haptisch angreifbar, also einfach unmittelbar und auch, wenn nötig, veränderbar ist.

 

Einer deiner Schwerpunkte bezieht sich auf das Thema altersunabhängige Barrierefreiheit. Was muss man in diesem Bereich besonders beachten? Weshalb handelt es sich hierbei nach deiner Ansicht um ein wichtiges Thema? Durch welche Vorrichtungen garantiert man Behindertengerechtigkeit?

Meistens glaubt man ja, dass Barrierefreiheit nur etwas für alte Leute ist. Aber wer ein kleines Kind hat mit einem Kinderwagen, wer sich einmal den Fuß gebrochen hat oder sonstwie eingeschränkt in der Bewegung ist, wird – auch als junge Person – entsprechende Vorkehrungen zu schätzen lernen. Das können neben ausreichenden Bewegungsflächen im Umfeld von Türen und natürlich die Vermeidung von unnötigen Stufen auch eine Vorsehung für spätere Sanitärinstallationen oder das Angebot eines Raumes, der etwa auch als ebenerdige Schlafgelegenheit dienen kann, sein. Auch, dass man Räume umnutzen kann oder einen Bereich für eine Pflegeperson einplant, ist sehr hilfreich.

Bei diesem Thema geht es oft auch um einen Spagat zwischen aktuellen und möglichen zukünftigen Anforderungen. Davor darf man sich nicht drücken, schließlich wissen wir nicht, wie wir im Alter gesundheitlich unterwegs sein werden und was da auf uns zukommen kann. Meine Mutter zum Beispiel ist durch einen Verkehrsunfall geh- und sehbehindert. Für sie sind einige klassische Grundsätze der Barrierefreiheit wenig bis nicht relevant. Andere dafür sind sehr individuell wie etwa optische Einflüsse durch Musterungen und dergleichen.

Es gibt also nicht eine allgemeingültige Lösung, aber es braucht das Bewusstsein und Mitdenken für mögliche Beeinträchtigungen – die hoffentlich nicht oder nur abgeschwächt eintreten.

 

Partner kommt nächstes Jahr

Als Einzelunternehmer arbeitet Alfred Pidner zurzeit allein, dafür interdisziplinär. Das heißt, dass er gut vernetzt ist, sodass er bei Bedarf auf externe Fachleute zugreifen kann, die ihm bei der Umsetzung eines Projekts behilflich sein können. Tatsächlich plant der 46-Jährige aber, im nächsten Jahr einen Partner in sein Unternehmen aufzunehmen. Alfred Pidner ist in den Bereichen Beratung, Planung und Baubegleitung tätig.

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