Talente erkennen und fördern

Veröffentlicht am 6 Februar 2019 von Verena Arnold
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Die Talente der Menschen sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst. Oft wäre es möglich, bereits in frühester Kindheit das besondere Talent eines Menschen zu erkennen, aber leider gehen die Schulsysteme der meisten Länder nicht darauf ein. Alle Kinder werden im Prinzip gleich unterrichtet. Wo Defizite sind, gibt es Nachhilfe, aber die Förderung besonderer Talente, also Förderung in dem, was die Kinder interessiert, worin sie von sich aus besonders gut sind und bei richtiger Förderung Höchstleistungen erbringen könnten, diese Förderung gibt es normalerweise nicht. Durch dieses System wissen manche Menschen selbst als Erwachsene noch nicht, was ihr Talent ist, halten sich womöglich sogar für talentfrei.

An diesem Punkt setzen Projekte wie der Talentegarten an. Wir haben mit Katja Higatzberger, gesprochen. Die 50-jährige Gründerin des Projektes wurde in der Nähe von Stuttgart geboren und ist auch dort aufgewachsen. Im Alter von 23 Jahren ging sie nach Österreich, um Architektur zu studieren. Als sie ihren Mann kennenlernte, entschied sie sich, in Österreich zu bleiben. Heute lebt sie mit ihrer Familie südlich von Wien. Während sie ihre 4 Kinder großzog, entdeckte sie die Liebe zu ihrem jetzigen Beruf, hat also ihre Berufung erst im Alter von 35 Jahren entdeckt.

Nachdem sie sich zuerst intensiv mit der Förderung ihrer eigenen Kinder, die alle auf ihren Gebieten sehr begabt sind, beschäftigt hat, hat sie einen Elternverein für hochbegabte Kinder gegründet. Sie erkannte, dass sie nicht alle ihre Kinder selbst fördern konnte. Nicht alle unterschiedlichen Talente und Fähigkeiten ihrer Kinder passten zu ihren eigenen Fähigkeiten. Bei der Suche nach geeigneten Kurs- und Beratungsangeboten stellte sie fest, wie groß das Defizit in diesem Bereich war. Im Zuge der Vereinsarbeit entwickelte sie den Wunsch, ihre Erfahrung mit Hochbegabten zu teilen und ihr Wissen weiter auszubauen. Ihr ursprüngliche Ausbildung zur technischen Zeichnerin und ihre Berufserfahrung in einem Architekturbüro nützten ihr da nicht viel.

Also absolvierte sie zunächst eine Zusatzausbildung für KindergartenpädagogInnen  (ECHA gifted preeschool education) und später das Studium zur Begabungsförderung und Begabtenforschung  („Gifted Education“ an der Donau Uni Krems). Danach war ihr endgültig klar, dass sie beruflich in die Beratung gehen wollte, um andere Eltern in der Erziehung und Förderung ihrer Kinder optimal zu unterstützen. Passend dazu hat sie als Masther-Thesis den Beruf des Begabungsexperten/der Begabungsexpertin untersucht. Im Zuge dessen hat sich auch ihr Arbeitsbereich von der Hochbegabung auf Potentialentwicklung von Kindern verbreitert.

Um in Österreich beratend tätig sein zu können, hat Katja Higatzberger dann noch die Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin, mit dem Fachschwerpunkt „Elternbildung und Erziehungsberatung“; erfolgreich absolviert und zudem eine Coachingausbildung für Hochbegabte und Hochsensible abgeschlossen. Auch danach besuchte sie weiterhin Fortbildungen, wie aktuell zum Beispiel die Ausbildung für Stressmanagement und Burnoutprophylaxe.

Aus der Vereinsarbeit entwickelte sich dann, dank ihrer umfassenden Ausbildungen das Projekt des Talentegartens, bei dem sie nun ihre Berufung ausleben kann.

Das Team besteht aus selbstständigen ExpertInnen, die jeweils auf ihren eigenen Gebieten ausgezeichnet sind; von Technik und Naturwissenschaften über Coaching und Beratungen, bis hin zu Fotografie und Kunst. Die Teammitglieder ergänzt sich so, dass sie sich gegenseitig auf ganz vielen Ebenen unterstützen können, sowohl beim Ausdenken neuer Kursinhalte als auch in Bezug auf spezifische Beratungen und einzelne Fälle, die sie beschäftigen. Dadurch profitieren die Teammitglieder, aber vor allem auch die KlientInnen immens. Teil des Teams ist  eine Assistentin, die Katja Higatzberger unterstützt.

Die „Talentevilla“, das Zentrum ihres Schaffens, ist ein großes, lichtdurchflutetes Haus in Mödling, Niederösterreich. Hier finden Kurse und Beratungen für Kinder, sowie auch für Erwachsene statt. Alle im Talentegarten sind um eine heimelige und gemütliche Atmosphäre bemüht. Die Villa wird umgeben von einem großen Garten, mit einem kleinen Wäldchen und einer Bühne, auf der schauspielbegeisterte Kinder „auftreten“ können.

So entwickeln die Kinder neben einer Bindung an die Expertinnen und Experten auch eine Bindung an das Haus. Dadurch ist es für diese weniger stressig, wenn sie mal zu einer anderen Expertin oder einem anderen Experten wechseln. Wenn ein Kind zum Beispiel am Montag ein Schreibtraining bei einer Trainerin absolviert und am Donnerstag einen Malkurs bei einer anderen Trainerin besucht, kommt es an beiden Tagen in denselben Talentegarten – einen Ort, an dem das Kind sich schon auskennt, an den es sich schon gewöhnt hat, an dem es sich wohlfühlen kann. Ein Vorteil, der sich auch in den Beratungen zeigt.

Unsere Interviewpartnerin und Begabungsexpertin Katja Higatzberger

 

Katja, wie fühlt es sich an, neue Talente zu entdecken und zu entwickeln? Findest du die Arbeit anspruchsvoll? Wo liegen für dich der größte Spaß und die größte Herausforderung davon, Begabungsexpertin zu sein?

Ich finde, ich habe den schönsten Job der Welt. Fast jeden Tag darf ich Kinder dabei beobachten, wie sie Dinge tun, die ihnen Spaß machen, die sie faszinieren. Es ist natürlich auch schön, bei Problemen unterstützen zu können und zu sehen, wie sich ganze Familien weiterentwickeln.

Außerdem habe ich das Glück, dass die meisten Kinder freiwillig in den Talentegarten kommen – das heißt, ich erlebe ihre „Sahneseiten“ und sie begegnen mir mit einer Menge Motivation. Ich bemerke eigentlich erst, dass meine Arbeit auch anspruchsvoll ist, wenn ich sehe, dass manche Dinge nur für mich selbstverständlich sind – für viele Eltern und LehrerInnen aber nicht.

Wenn ein Kind zum Beispiel bereits im 100er Raum rechnen kann, denken viele PädagogInnen, dass man den 10er Raum noch separat üben muss. Ich weiß aber aus Erfahrung und aus meinem Studium, dass man hier ruhig den „Mut zur Lücke“ haben darf: Wenn ein Kind mit Zahlen im 100er Raum umgehen kann, wird es selten Probleme haben, seine Fähigkeiten auf den 10er Raum zu übertragen. Das ist aber nicht für alle Erwachsenen sofort logisch und ersichtlich. In solchen Fällen merke ich dann schon, dass sich meine vielen Ausbildungen ausgezahlt haben.

 

An welche Prinzipien haltet ihr euch beim Aufbau von Kurs- und Veranstaltungsprogrammen? Welcher Kommunikationsstil zwischen Erziehern und Kindern ist im Talentegarten vorrangig? Wie erfüllen eure Mitarbeiter die Aufgabe, das Vertrauen und gleichzeitig den Respekt von Kindern zu gewinnen?

Meine Kurse haben immer einen ähnlichen Aufbau: Zuerst spielen wir ein Spiel zur Förderung der Gruppendynamik, zum gegenseitigen Kennenlernen. Dann folgen die hochkognitiven Aufgaben – also das gezielte Lernen von Neuem. Das ist der Teil des Kurses, der die höchste Konzentration erfordert. Nach einer Pause kommen die haptischen Aufgaben – also das Festigen des Erlernten. Hier betrachten wir das neu erworbene Wissen aus verschiedenen Blickwinkeln. Am Ende spielen wir zur Abrundung des Kurses noch ein Abschlussspiel.

In der Kommunikation mit den Kindern ist mir Körpersprache sehr wichtig – zum Beispiel Handzeichen, oder das leichte Berühren mit einer Hand, um das Kind auf mich aufmerksam zu machen. Ich setze auch meine Stimme ganz bewusst ein. Ich schreie aber nicht, sondern ganz im Gegenteil flüstere ich häufig oder spreche ungewöhnlich, um zu verdeutlichen, dass mir etwas wichtig ist. Außerdem spielen wir immer auf einer Ebene mit den Kindern, was unsere Beziehung zu ihnen stärkt. Zuletzt beobachten wir ihr Verhalten ganz genau, da sich am Verhalten von Kindern schnell erkennen lässt, was sie wirklich brauchen.

 

Ist Teilnahme an Kinderkursen für die meisten Fälle die Initiative von Kindern selbst oder von ihren Eltern? Was deiner Meinung nach müssten Eltern berücksichtigen, bevor sie die Entscheidung treffen, ihr Kind zu einem gewissen Kurs zu bringen? Wie kann man ein Kind zur Kursteilnahme motivieren?

Im Idealfall bieten die Eltern die Kursteilnahme an und lassen ihre Kinder selbstständig entscheiden, ob und welche Kurse sie belegen möchten. Abhängig vom Alter des Kindes brauchen viele dabei aber noch Unterstützung, da sie sich unter einigen Kursen vielleicht noch nichts vorstellen können. Eltern können dabei zum Beispiel vom Lieblingsspielzeug ihrer Kinder darauf schließen, was die Kinder besonders interessiert.

Gleichzeitig ist es auch vollkommen in Ordnung, wenn ein Kind keinen Kurs besuchen möchte, sondern seine Freizeit lieber zuhause verbringt und sich dort mit seinen Interessen beschäftigt. Besonders toll sind unsere Kurse sicher für Kinder, die Gleichaltrige kennenlernen möchten und gerne gemeinsam mit anderen spielen und lernen oder für Familien, die ihren eigenen Kindern die in den Kursen behandelten Themen nicht zeigen können.

Wichtig ist auch: Unsere Kurse sind stärkenorientiert. Wir bieten keine Nachhilfe an, sondern Vertiefung. Deswegen sind die Kinder, die zu uns kommen, auch schon von sich aus motiviert – weil es in den Kursen um Themen geht, die sie begeistern.

 

Im Talentegarten gibt es auch Erwachsenenkurse. In welchen Richtungen und auf welchen Gebieten kann sich ein Erwachsener in eurem Zentrum entwickeln? Welche Besonderheiten hat es, Erwachsene zu unterrichten? Wer ist fleißiger: Kinder oder Erwachsene?

Neben Kursen rund um PR, kreatives Schreiben und Wiedereinstieg in den Beruf haben wir bei unseren Erwachsenenkursen einen starken Fokus auf die Familie. Wir diskutieren Themen wie die Entwicklung der eigenen Kinder oder Kommunikationsstrategien innerhalb der Familie.

Auch für Erwachsene gilt: Zu uns kommen Menschen, die sich spezifisch für die Themen der Kurse interessieren. Dementsprechend sind die Erwachsenen, die ich im Rahmen dieser Kurse kennenlerne, extrem motiviert und auf eine positive Weise kritisch. So zeigen sie mir, dass sie sich wirklich mit den Kursinhalten auseinandersetzen möchten. Wie vielleicht schon heraus klingt, sind die Erwachsenen also genauso fleißig wie die Kinder, vielleicht aber manchmal etwas ausdauernder, während die Kinder begeisterungsfähiger sind.

Alle Kinder sollten die Chance haben, ihre Talente auszuleben und optimal zu entwickeln

 

Talente sollten gefördert werden

Menschen mit besonderen Talenten sind die Menschen, die zur Veränderung der Welt maßgeblich beitragen. Wir alle wünschen uns eine bessere Welt und trotzdem haben so wenig Talente die Chance, sich voll entfalten. So viele Menschen landen in Berufen, die überhaupt nicht ihren angeborenen Fähigkeiten entsprechen, weil ihre ganz persönlichen Talente in der Jugend nicht gefördert wurden. Im Interesse einer sich weiter positiv entwickelnden Welt, sollten alle Kinder die Chance haben, ihre Talente auszuleben und optimal zu entwickeln. Und wer als Kind nicht die Chance hatte, aber als Erwachsener spürt, dass da noch etwas ist, sollte nicht zögern, sich dem zuzuwenden und eventuell nochmal einen ganz neuen Weg zu gehen. Vielen Dank an Katja Higatzberger für dieses inspirierende Gespräch.

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