Make-Up Artists schaffen lebende Kunstwerke

Veröffentlicht am 11 Februar 2019 von Verena Arnold
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Und die besondere Kunst liegt darin, die individuellen Vorzüge jedes einzelnen Gesichtes richtig in Szene zu setzen und nicht einfach nach einem festen Schema die Gesichtszüge zu übermalen. Ein guter Make-Up Artist beherrscht also nicht nur das Handwerk, sondern bringt auch Kreativität und Einfühlungsvermögen mit, um bei der Gestaltung des Make-Up auch die Persönlichkeit des Kunden berücksichtigen zu können.

Wir haben mit dem Visagisten Michèl Schiwôn aus Innsbruck gesprochen. 1978 in Berlin geboren, verbrachte er seine Schulzeit in Tirol, der Heimat seiner Mutter. Obwohl er es seit seiner Kindheit liebte zu malen, folgte er dem Wunsch seiner Mutter und absolvierte zuerst eine Ausbildung als Koch und Kellner und schloss diese Ausbildung in den Tourismusschulen in Zelle am Ziller mit dem Gastgewerbe Diplom ab. Anschließend war er in der  internationalen Top Hotellerie wie zum Beispiel im Hilton international und das Sacher in Wien tätig, bevor er sich beruflich umorientierte und Visagist wurde. Seine Arbeit brachte ihn dann weit rum, Stationen waren unter anderem Salzburg, Wien, Berlin und Paris.

Dann kam der Tag, an dem es ihn nach Tirol zurück zog und er die Selbstständigkeit anstrebte, denn einer der für ihn interessantesten Jobs war die Position des Trainingsmanagers und National Make-up Artist für YSL. Dabei entdeckte er seine Leidenschaft, das Wissen weiter zu geben. In Tirol begann er nochmal ganz neu, baute ein neues Netzwerk auf, arbeitete seine Kurse aus und tat alles, was notwendig war, um alle Auflagen für die Selbstständigkeit zu erfüllen und um ein internationales Niveau anbieten zu können.

Dies dauerte etwa 2 Jahre und inzwischen ist sein Unternehmen so aufgestellt, dass er mit seinem Team alle Kunden bedienen kann, von der Frau die sich für Ihren 50er schminken lassen will, über Großveranstaltungen wie zum Beispiel die Manufaktur Eröffnung der Firma Swarovski, bei der sie auf drei verschiedenen Locations mit mehreren Teams für die Stylings der Veranstalter, Models, Gäste, usw. verantwortlich waren,  bis zu den unterschiedlichsten Shootings.

Das Hauptaugenmerk legt Michèl Schiwôn allerdings auf die Ausbildung. Darin sieht er seine Zukunft und baut seine Akademie weiter aus, wobei er mit Absolventen und auch externen Subunternehmern zusammen arbeitet. In diesem Jahr wird zum Beispiel ein Friseur in die Akademie einziehen. 

Michèl Schiwôn ist Visagist und bietet an seiner Akademie Ausbildungen an

 

Wie unterscheidest Du Dich von anderen Visagisten? Hast Du es lieber, wenn der Kunde Dir freie Hand lässt oder magst Du Kunden und Kundinnen, die genau wissen, was sie wollen?

Der Grundtenor bei mir kommt aus der Malerei. Aber mein Zugang zur Visagistik an sich ist schon ganz ein anderer und, wie mir meine Laufbahn bestätigt, der richtige. Ich bin mit meiner Herangehensweise an ein Make-up sehr einzigartig, da es für mich keine Schubladen gibt! Oder würden Sie sich mit 7 Milliarden anderen Menschen 4 davon teilen wollen?

Ich habe auch noch nie jemand geschminkt, dem es nicht gefallen hätte, wie ein Bild behandelt zu werden. Denn ich male nicht nach oder an, ich versuche stets die beste Version von einem selbst zu schaffen und das mit so wenig wie möglich!

Ich selbst arbeite mit beidem gern. Ich mag es, wenn man mir Bahnen vorgibt, egal wie eng die Gleise auch sein mögen, dazwischen ist immer noch Luft 😉 Um freie Hand zu bekommen oder diese auch zu wollen ist Vertrauen zwischen mir und meinen Kunden ausschlaggebend, und das sollte man sich erst verdienen – bei jeder einzelnen Kundin!

Heut habe ich Stammkunden wo, wenn wir kommen, mögliche Outfits bereits vorbereitet werden und wir dann gemeinsam den Look kreieren, denn Make-up allein funktioniert nicht! Wir suchen dann gemeinsam das Outfit aus und beratschlagen uns für den dazu passenden Look, wie Haare, Make-up und Accessoires – das macht richtig Spaß – weil dann das ganze Paket stimmt! Und so können wir 100% liefern. Nichts ist schlimmer als eine Frau die versucht 300% zu geben, also wenn jeder 100% gibt, dann haben wir den Overkill in einem 300% Look.

 

Welche Voraussetzungen braucht man für die Akademie? Bildest Du auch Maskenbildner für Film und Theater aus? Wie lange dauert die Ausbildung?

Voraussetzung sind Kreativität, sowie ein ästhetisches Gefühl für Farben und Formen. Gut wäre auch Durchhaltevermögen, Leidenschaft, Teamgeist, gute Laune und vor allem Spaß. Es können Quereinsteiger genauso die Akademie besuchen wie natürlich auch Personen aus artverwandten Berufen (Friseure, Kosmetiker etc.). Da wir auf internationalem Niveau arbeiten, ist dies aber nicht wichtig für die Akademie.

Im Bereich Maske gibt es in Österreich gerade gesetzliche Änderungen. Wir haben Maske im Portfolio, und für den Einstieg absolut ausreichend, allerdings wer zum Film will, sollte sowieso weitermachen, hier kooperieren wir mit anderen Schulen in Deutschland und Frankreich, die darauf spezialisiert sind.

Unser Make-up Artist Kurs ist als Basiskurs zu verstehen und ist sehr intensiv. Wir machen in den sieben Wochen Unterricht mehr als unsere Mitbewerber teilweise in 9 Monaten. Nach dem Kurs starten die Übungsphasen, wo die Teilnehmer dann auf Zeit und Abläufe selbst trainieren und sich für die Prüfungen qualifizieren müssen.

Neu ist, dass wir ab nächstem Jahr noch Meisterklassen anbieten werden, wo wir weit tiefer in das Verständnis der einzelnen Module gehen, z.B. der Umgang mit Licht und Schatten, hier werden wir künftig direkt vor der Kamera arbeiten und vor der Kamera die Make-ups aufsetzen. Aber dies nur als Beispiel.

Wir haben Absolventen in allen Bereichen untergebracht wie z.B. Make beim ORF, andere sind selbständig London, Los Angeles, Wien, Berlin usw. Andere arbeiten für Marken wie Mäc, Urban Decay, YSL, wieder andere arbeiten bereits selbst als Trainer. Also sie sehen schon, wird decken sehr breit gefächert ab und versuchen auch zu helfen wo wir können.

 

Was sind die Kosten für die Ausbildung? Muss man ein Modul nach dem anderen belegen oder kann man zwischendurch aussetzen?

Wir fangen bei 2.100,- € an und alle Module zusammen kommen derzeit auf 4.400,- € netto. In dem Preis ist jedoch alles inbegriffen. Das Material wird zur Verfügung gestellt, die Bilder die während der Kurse entstehen, bekommen die Schüler genauso wie Trainingstage für die Prüfung. Auch die Prüfung selbst ist im Preis enthalten.

Leider kommt es bei Ausbildungen immer und immer wieder zu Kosten, mit denen der Teilnehmer nicht rechnet. Mir war es wichtig, dies zu vermeiden.  Weiters finden ausgeschriebene Kurse, welche gebucht wurden auch immer statt, es gibt keine Mindestteilnehmerzahl. Auch das war mir wichtig, da sich Personen die Kurse besuchen möchten dafür ja teilweise frei oder Urlaub nehmen.

Man kann die Module in einem Durchlauf machen oder aber auch nicht! Warum – die Idee war, dass man nicht gleich kündigen muss. Unsere Kurse gehen immer Montag bis Donnerstag, d.h. Freitag und Samstag sind frei. Man kann mit den ersten Beiden starten und dann immer wieder in laufende Kurse einsteigen. Dies wird häufig in Anspruch genommen und ist immer ganz witzig, wenn sich die Teilnehmer kreuzen, wobei sie das recht oft tun, da Absolventen bei neuen Kursen gerne als Modell wieder kommen zur Auffrischung. Was mich natürlich sehr freut.

Wichtig wäre nur sich anfangs zu entscheiden, da dies natürlich preislich einen Unterschied macht. Wenn man alle Module einzeln bucht und immer wieder aufs Neue, dann zahlt man fast das Doppelte. Wenn es gleich klar ist, kann man seine Module auf bis zu zwei Jahre aufteilen.

 

Du sprichst davon, die persönliche Schönheit typgerecht zu unterstreichen. Schließt das auch persönliche Charaktereigenschaften ein oder mehr äußere Merkmale? Wie lernst Du Deine Kunden persönlich kennen?

Natürlich gehört das auch dazu, nur ein Beispiel für den Unterschied von deutschsprachiger Ausbildung und meiner. Es kommen zwei Damen ins Studio – beide Herbsttypen beide möchten ein Tages-Make-Up, eine davon ist introvertiert und die andere extrovertiert – und nun? Nach den im Deutschsprachigen Raum üblichen Ausbildungen würden beide dasselbe Make-Up bekommen, d.h. im besten Fall ist eine der beiden Damen glücklich.

Genau darum geht es doch. Seit fast 15 Jahren jetzt ist es für mich immer noch die größte Herausforderung in so kurzer Zeit meiner Kundin so nah zu kommen auf einer emotionalen Ebene, um Ihr Make-up kreieren zu können und nicht meins. Für mich zum Beispiel sind die ersten fünf Sekunden sehr wichtig, wie die Tür geöffnet wird und wie man sich Gehör verschafft, so zu sagen der Auftritt verrät mir sehr viel, Körpersprache, Umgang mit der Sprache, natürlich bedingt auch Kleidung.

Das wichtigste erzählt mir der Kunde aber meist beim Smalltalk, unbewusst – ich bin ein sehr guter Zuhörer und kann auch gut zwischen den Zeilen lesen. Deswegen sind Erst-Termine für mich heute noch genau so anstrengend und intensiv wie zu Beginn. Aber dies ist der Respekt, den ich meinen Kunden entgegen bringe. Ich möchte, dass Sie sich in meiner Arbeit einzigartig fühlen! Ich versuche eigentlich, das Schöne von innen auch nach außen zu bringen. Denn ich schaffe ja kein neues Bild, ich verpasse ihm nur einen Rahmen!

Die persönliche Schönheit muss typgerecht unterstrichen werden

 

Kunst mit Handwerk vereinen

Das ist das Ziel der Ausbildung zum und der Arbeit als Make-Up Artist. Ein guter Visagist wird ein Make-Up immer so gestalten, dass es zum Anlass ebenso passt, wie zum Outfit, dem individuellen Typ und der Persönlichkeit des Kunden. Und genau darauf ist auch das Konzept einer Akademie für Make-Up Artists ausgelegt: Um die Absolventen die nötigen Kenntnisse  und Fertigkeiten zu vermitteln. Vielen Dank an Michèl Schiwôn für dieses informative Gespräch und den Einblick in seine Arbeit.

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