Fechten wie im Mittelalter

Veröffentlicht am 9 Januar 2020 von Verena Arnold
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Karl Schwarz, 50 Jahre alt, aus Wien, verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, hat relativ spät mit dem Historischen Fechten angefangen – und das obwohl ihn die Kampfkunst schon als Kind begeisterte. Mit 43 Jahren also meldet er sich für den Union Fechtverein «Die lange Schneyd» in Wien an, wo er sich in die Kampfkunst einweisen ließ.

Wie sich herausstellte, war das Historische Fechten genau die Sportart, die Karl Schwarz fehlte. Er war derart fasziniert, dass er sich immer weiter in die Kampfkunst vertiefte, sodass er bald vom Verein als Assistent für den Grundkurs angeheuert wurde. Nachdem die beiden Trainer die Leitung des Grundkurses aufgaben, übernahmen der 50-Jährige zusammen mit seinem Kollegen Toni die Leitung. Seither ist Karl Schwarz aus dem Team des Vereins nicht mehr wegzudenken.

Insgesamt besteht der Verein aus etwa 70 Mitgliedern, die regelmäßig im Verein anzutreffen sind. Diese Mitglieder üben den Sport mit Begeisterung aus und vergessen dabei nicht den historischen Hintergrund, wie Karl Schwarz erzählt, Ihre bevorzugten Waffen sind: «Langes Schwert», die Fechtfeder, der Dolch und «Langes Messer».

Bei „Der langen Schneyd“ kann man das historische Fechten erlernen 

 

Karl, du bist einer der Trainer des Union Fechtvereins «Die lange Schneyd». Arbeitest du hauptberuflich als Fechttrainer oder machst du das ehrenamtlich in deiner Freizeit? Seit wie vielen Jahren fechtest du schon? Hast du auch bereits an Wettkämpfen teilgenommen? Was fasziniert dich an dieser Sportart besonders?

Tatsächlich ist das historische Fechten in den letzten sieben Jahren ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. 2012 bin ich in den Verein «Die Lange Schneyd» eingetreten, wo ich mich von den vielen unterschiedlichen Facetten des Sports faszinieren ließ. 2016, nachdem ich vier Jahre im Verein war, habe ich einen Grundkurs als Trainer übernommen. Bevor ich zum Trainer dieses Grundkurs ernannt wurde, half ich als Assistent den Grundkurs zu leiten. Zu dieser Zeit traten die zwei Trainer, die den Grundkurs leiteten, aber zurück, sodass ich als Assistent den Grundkurs übernehmen konnte. Ich leite den Grundkurs nun als Trainer zusammen mit dem Trainer Toni.

Toni und ich machen das ehrenamtlich. Wir waren sehr interessiert daran, die Leitung zu übernehmen, weil sonst der Verein aufgrund von Personalmangel eingegangen wäre. Und schon als Assistent habe ich erkannt, dass viel Freude in der Trainertätigkeit steckt. Deshalb war ich sofort zur Stelle, als der Job frei wurde.

In den letzten Jahren habe ich mich vermehrt mit der Fechtkunst beschäftigt. Es ging aber auch darum, den Grundkurs weiterzuentwickeln. Deshalb war ich sehr darum bemüht, Neues zu lernen, damit ich auch genügend Stoff habe, den ich vermitteln kann – ohne dabei die Begeisterung für den Sport zu vernachlässigen. Wir haben sogar ein Schulbuch herausgegeben, in dem unserer derzeitiger Wissensstand festgehalten wurde. Das Skript hilft uns dabei, den Stoff weitergeben zu können.

Nebenbei haben wir einen zweiten Grundkurs initiiert, was wiederum zur Folge hatte, dass zusätzliche Hallen angemietet werden mussten. Die bestehende Infrastruktur in den bisherigen Hallen haben wir darüber hinaus verbessert: Wir haben jetzt in jeder Trainingshalle einen Spind mit Ausrüstungsteilen. Zudem bieten wir neu viele Seminare an, damit die Mitglieder neue Impulse von außen bekommen.

Um die Aufgaben als Trainer erfüllen zu können, musste ich eine Übungsleiterausbildung absolvieren und eine Kampfleiter-Lizenz erwerben, weshalb ich leider keine Zeit hatte, um am Turnierfechten teilzunehmen. Ich konnte «nur» an vereinsinternen Turnieren teilnehmen.

 

Was unterscheidet den Schwertkampf mit langem Schwert von anderen Fechttechniken? Warum bietest du gerade diesen Grundkurs im Verein an? Was wird den Teilnehmern beigebracht?

Der Begriff «Langes Schwert» steht nicht nur für die Größe und die bestimmte Bauform des Schwerts – er drückt gleichzeitig auch aus, wie mit dem Schwert umgegangen wird. Es ist nicht die einzige Art innerhalb des Historischen Fechtens. Mich faszinieren auch das Montante, sprich die zweihändigen Schwerter und die «Halbe Stange», sprich ein Kampfstab sowie auch Dolche. Auch das sogenannte «Lange Messer» und die Kampfkunst namens «Schwert-und-Buckler-Fechten» faszinieren mich, genauso wie das Rapier, eine Stich- und Hiebwaffe.

Es gibt viele Unterschiede. Das Zweihandschwert, auch als Bihänder bekannt – das ist ein Begriff aus dem 19. Jahrhundert und deshalb nicht zeitgenössisch – zum Beispiel ist eigentlich eine Flächenwaffe. Sie eignet sich dafür, um gegen einen oder mehrere Angreifer zu kämpfen. Die Waffe wurde unter anderem von Leibwachen getragen.

Warum ich mich gerade für «Langes Schwert» interessiere, ist schwierig zu sagen. Vielleicht weil ich mich schon als Kind für Schwerter begeistern konnte. Die Waffe ist nämlich entgegen der weitläufigen Meinung gar nicht schwer. Sie läßt sich sehr schnell und präzise bewegen – grobschlächtiges Hacken ist zwar möglich, kommt aber selten vor. Ich beschäftige mich zwar schon seit sieben Jahren mit dieser Kampfkunst, bemerke aber, dass ich nie ausgelernt habe, sondern ständig wieder etwas Neues erfahre. Das macht den Sport besonders spannend. Er langweilt mich nie, sondern überrascht mich.

Den Grundkurs bieten wir an, weil wir auch anderen Menschen den Spaß und die Faszination, die wir selbst empfinden, näher bringen wollen. Hauptsächlich geht es im Grundkurs aber darum, ein Gefühl für sich selbst und die Waffe zu entwickeln. Es geht aber auch darum, die Körperwahrnehmung und die Präzision zu stärken und darum, sich zu überwinden. Es geht um Mut und um viel Respekt und Achtsamkeit den Trainingspartnern gegenüber.

 

Was gehört zur Grundausstattung bei einem Fechtwettkampf? Wie müssen die Teilnehmer bekleidet sein? Wie schützen sie beispielsweise ihr Gesicht? Welche Art von Schwert empfiehlst du Anfängern?

Die Ausrüstung für Turnierkämpfe ist im Turnier-Regelwerk des ÖFHF geregelt. Da haben viele Menschen viel Zeit und Aufwand investiert. Danke dafür! Wir haben es nun leicht und brauchen uns nur daran zu halten.

Generell gilt 800Nm Stichschutz für Jacke und Hose sowie 1600 Nm für die Fechtmaske. Die Masken bekommt man leicht. Bei den den restlichen Ausrüstungsgegenständen ist es manchmal schon schwer, das Richtige zu finden. Wir helfen unseren Mitgliedern dabei, die Ausrüstung zu bekommen. Zudem haben wir eigenes Ausrüstungsmaterial, das man ausprobieren kann, wodurch die Beschaffung leichter wird, weil man eher weiß, was man braucht. Wir haben aber derzeit keinen HEMA-Ausrüster in Wien.

Hinzu kommen dann noch Stichschutz für die Kehle, Handschuhe – was schon fast eine eigene Wissenschaft für sich darstellt –, und Protektoren für die Knie sowie Schienbeine und Ellenbogen. Generell darf beim Turnierkampf keine Hautstelle ohne Schutz sein.

Zu Beginn der Ausbildung werden bei uns im Verein Plastikschwerter, sogenannte Nylonwaster zur Verfügung gestellt. Die sind für den Anfänger einfacher und sicherer zu handhaben. Ab dem zweiten Kurssemester empfehlen wir den Teilnehmern aber, sich eine Fechtfeder anzuschaffen. Auch was die Fechtfeder betrifft, gibt es unterschiedlichste Varianten – Anfängern wird aber eine Standardvariante empfohlen.

 

Warum ist es dir wichtig, dass du dein Wissen weitergeben kannst? Arbeitest du lieber mit einer Gruppe oder mit Einzelnen? Welcher Teil deiner Arbeit als Trainer bereitet dir besonders viel Freude?

Die erste Frage hat mich zum Nachdenken gebracht. Ich glaube, es geht vor allem darum, dass man mit seinem Wissen dazu beträgt, dass das Gesamtwissen im Historischen Fechten komplettiert wird. So verhilft man Menschen, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, zu neuen Erkenntnissen.

Mich hat die Trainertätigkeit dazu gebracht, mich umfassender und intensiver mit der Thematik auseinanderzusetzen. Und das Gute an meiner Trainertätigkeit ist, dass ich mit unterschiedlichen Problemen, mit unterschiedlichen Sichtweisen und unterschiedlichen Erklärungsansätze konfrontiert werde, die mich bereichert haben – und das betrifft nicht nur die Kampfsportart Fechten. Das alles motiviert mich dazu, weiterzumachen und neue Ideen zu entwickeln, wie man das Wissen rund um das Fechten am besten vermitteln kann.

Die Arbeit mit der Gruppe kann man immer als Vorstufe für die Arbeit mit dem Einzelnen betrachten. Ich will damit sagen, dass wir zum Glück genug Zeit haben, um auf jeden Teilnehmer individuell eingehen zu können. Wir machen das gerne, sonst würden wir das wohl kaum in unserer Freizeit machen. Durch die Arbeit mit dem Einzelnen erkenne ich auch, ob das, was ich in der Gruppe gesagt habe, beim Einzelnen angekommen ist oder nicht. So ist es mir möglich, korrigierend einzugreifen.

Am meisten Freude bereitet mir, wenn ich mit einer Gruppe über längere Zeit zusammenarbeite und ich merke wie meine Ausführungen für die Teilnehmer Sinn machen, sprich sich für die Teilnehmer die einzelnen Erklärungen zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

Am meisten Freude macht ihm die lange Zusammenarbeit mit einer Gruppe

 

Vielfältiges Programm

Neben dem Training gehört es zum Programm des Vereins, auch historische Fecht-Events zu besuchen. Seit 2012 nehmen die Mitglieder des Vereins auch regelmäßig an Turnieren teil. Und ein bis zwei Mal im Jahr veranstaltet der Verein Workshops, zu denen nationale und internationale Experten eingeladen werden, damit sie Vorträge halten. In den ein- bis zweitägigen Workshops werden die Waffen «Langes Schwert», der Dolch und «Langes Messer» thematisiert.

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