Ein Judo Club mit vielen Qualitäten

Veröffentlicht am 11 November 2019 von Verena Arnold
Condividi su Facebook Condividi su Twitter Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin

YawaraMichi ist ein gemeinnütziger Verein, der seit 50 Jahren besteht und dessen Ziel und Zweck es ist, Judo als Gesundheits- und Leistungssport, aber auch als Selbstverteidigung auszuüben. Das Team besteht aus 10 Personen, die als Funktionäre im Verein oder/und als Trainer tätig sind. Alle Ämter werden ehrenamtlich ausgeführt, Abfindung gibt es nur für die Trainer, da sie einen höheren Zeitaufwand haben.

Alle Prüfungen bei YawaraMichi sind österreichweit und sogar weltweit anerkannt. Wer möchte, kann außerdem an Turnieren teilnehmen. Wichtiger ist dem Verein jedoch, den Kindern eine sinnvolle Möglichkeit zu bieten, sich zu bewegen, ihren Körper kennen zu lernen und ihn entsprechend auszubilden. Auch die soziale Komponente spielt eine zentrale Rolle: Die mittlerweile 80 Mitglieder kommen aus diversen Umfeldern, beim Training wird jedoch kein Unterschied gemacht. Auch die Mädchen und Burschen erhalten gemeinsam Unterricht. Dies wird auch so vermittelt, von den Eltern anerkannt und so erfolgreich zur Integration beigetragen. 

Erwin Schön ist Obmann des Judo Clubs DSG Wien und heute unser Interviewpartner: Der 59-Jährige ist selbst in Wien geboren und aufgewachsen, beruflich Inspektionskommandant und hat bereits früh zum Judo gefunden. Neben seinen vielen Auszeichnungen und Rängen, die sich über die Jahre in seiner Tätigkeit als staatlich anerkannter Trainer und Bundeskampfrichter angesammelt haben, ist er seit 1988 auch Funktionär auf Landes- und Bundesebene.

 

Erwin, du bist Obmann des Judo Clubs DSG Wien. Wie bist du zu dieser Tätigkeit gekommen? Bist du selbst leidenschaftlicher Judo Kämpfer? Was fasziniert dich an dieser Kampfsportart besonders? Seit wie vielen Jahren übst du diese Sportart bereits selbst aus?

Ich bin praktisch in diese Aufgabe hineingewachsen. Ich begann im 10. Lebensjahr mit Judo und zwar in dem Verein, in dem ich heute Obmann bin. Ich habe dort von der Pike auf – wie man so schön sagt – den Sport erlernt. Zunächst war ich Schüler, als ich dann meinen ersten Schwarzgurt absolvierte und kurz darauf meine staatliche Lehrwarteausbildung (heute Instruktor) machte, wurde ich von meinem Trainer und ehemaligen Vereinsleiter als seine rechte Hand eingesetzt und durfte ebenfalls eine Gruppe betreuen.

Als aus gesundheitlichen Gründen mein Trainer die Leitung des Vereines nicht mehr weiterführen konnte und sonst kein anderer bereit war, habe ich kurzerhand die Obmannschaft übernommen, das war 2012. Zwischenzeitlich habe ich weitere Prüfungen absolviert bis hin zum 5. Dan und zum staatlich geprüften Trainer, habe Funktionen im Landesverband und im Österreichischen Judo Verband übernommen, die ich zum Teil heute noch ausübe.

Judo ist eine faszinierende Sportart. Wer seine Leidenschaft dafür entdeckt hat, kommt kaum mehr davon los. So geht es mir auch. Neben der komplexen körperlichen Ausbildung, die alle Komponente der Fitness beinhaltet (Kraft, Schnelligkeit, Gewandtheit, Ausdauer …), vertieft man im Laufe der Jahre seine Kenntnisse über asiatische Philosophie. Nicht umsonst hat der Österreichische Judoverband in den letzten Jahren die Judo-Werte ganz besonders hervorgehoben. Als junger Mensch kann man sich mit anderen messen und seine Grenzen ausloten. 

Als reiferer Mensch kann man dann seine Technik weiter verbessern. Nachdem es nicht allzu viele Judoka in Österreich, aber auch weltweit im Vergleich zu anderen Sportarten gibt, trifft man bei Turnieren und Seminaren, Trainingslagern und Besprechungen immer wieder die gleichen Personen. Es entwickeln sich Freundschaften – man spricht auch gerne von der Judo-Familie. Durch die einheitlich bezeichneten Techniken (in der Regel mit japanischen Namen versehen), ist es egal, wo man sich aufhält, man versteht sich einfach auf der Matte und knüpft rasch Kontakte und Freundschaften.

Als ältere Mensch hat man im Laufe des Sportler-Daseins viel Erfahrung gesammelt, die den jungen fehlen. Judo ist deshalb so faszinierend, da man es in jedem Alter ausüben kann. Durch die langjährige Erfahrung kann der Trainer oder ältere Sportkollege viele Situation besser einschätzen und ahnt gewisse Angriffe und Techniken voraus. Dadurch benötigt er für seinen Gegenangriff nicht so viel Kraft und muss auch nicht so schnell sein, wie der Jüngere.

Dazu kommt noch die Selbstverteidigung, die heute zwar im Sport selbst etwas zu kurz kommt, aber in vielen Vereinen dennoch praktiziert wird. Im Wettkampf sind viele Techniken wegen ihrer Verletzungsgefahr verboten, in der Selbstverteidigung greift man aber auf diese zurück und nutzt sie für den eigenen Schutz. Man sagt oft, es gibt keine Schlag- oder Tritttechniken im Judo, das stimmt so nicht. Im Wettkampf darf man diese Techniken freilich nicht anwenden, für die eigene Verteidigung aber sehr wohl.

Ich glaub nicht, dass es andere Sportarten gibt – ausgenommen die asiatischen Kampfsportarten selbst –, die ein so breites Spektrum abdecken. Und dadurch kann man diese Kampfkünste bis ins hohe Alter ausüben, aber auch mit ihnen beginnen, sofern man als Jugendlicher dazu keine Gelegenheit hatte.

 

Kannst du kurz den Ablauf beschreiben, wie man zu einem Dan-Träger werden kann? Welche unterschiedlichen Ansprüche müssen erfüllt werden, damit eine gewisse Stufe erreicht wird? Wie viele Stufen gibt es? Und wie bezeichnet man die unterschiedlichen Stufen?

Wie schnell man Schwarzgurtträger werden kann, hängt vom Lebensalter ab, mit dem man den Sport beginnt. Der ÖJV unterteilt hier in zwei Altersklassen, und zwar bis 15 und ab 15 Jahre: Bis 15 muss man 10 Stufen absolvieren, ab 15 Jahre sind es dann weniger, je nachdem, ab wann man das Alter erreicht, mindestens aber 5 Stufen. Zwischen den Prüfungen müssen mindestens 5 Monate Vorbereitungszeit liegen. Diese Gürtel sind bunt (gelb, orange, grün, blau, braun) und werden als Kyu-Grade bezeichnet (üblicherweise werden diese als Schülergrade übersetzt, korrekterweise heißt Kyu nichts anderes als Rang oder Stufe).

Hat man schon mit 7 Jahren begonnen, kann man frühestens mit 17 Jahren zur Dan-Prüfung antreten. Prüfungen können bis zum 6. Dan abgelegt werden. Vom 1. bis zum 5. Dan sind die Gürtel in der Regel schwarz gefärbt. Ab dem 6. Dan bis zum 8. ist er rot-weiß und der 9. und 10. Dan ist jeweils rot. 

„Dan“ wird üblicherweise als „Meister“ übersetzt, tatsächlich ist es ein anderer japanischer Ausdruck für Rang oder Stufe, also gleich dem Kyu. Die technischen Anforderungen erhöhen sich von Stufe zu Stufe. Aber auch der theoretische Background des Sports ist für die Erreichung einer Stufe von Bedeutung. Der Judoka (so nennt man die Sportausübenden, wobei es keine Mehrzahl gibt und auch nicht zwischen männlicher und weiblicher Form unterschieden wird) soll sich mit den Wettkampfregeln, aber auch mit der historischen Entwicklung auskennen.

Die lange Zeitspanne zeigt schon die Schwierigkeit, mit der dieser Sport zu kämpfen hat. Man kann diese Kunst nicht von heute auf morgen erlernen. Es braucht Geduld, Beharrlichkeit und Zielstrebigkeit, um sich von Stufe zu Stufe zu verbessern. Das sind aber wieder Eigenschaften, die sich auch außerhalb der Matte positiv auswirken. Denn auch in der Schule, im Beruf oder in anderen Lebenslagen braucht man diese Eigenschaften, um erfolgreich zu sein und seine Ziele zu erreichen. Aber nur wenige Menschen bringen diese Geduld auf, um tatsächlich die technische und geistige Reife zu erlangen. Für viele reicht der 1. Dan in der irrtümlichen Annahme, sie haben ihr Ziel erreicht und hören dann auf.

 

Was gehört zur Grundausstattung, wenn man Judo ausüben möchte? Welche Kleidung sollte beziehungsweise muss getragen werden? Wird diese Sportart barfuß durchgeführt oder müssen spezielle Schuhe getragen werden?

Die Grundausstattung im Judo ist der „Judogi“, korrekte Sportkleidung. „Gi“ heißt so viel wie Anzug und besteht aus der Jacke (Kimono), der Hose (Zubon) und dem Gürtel (Obi). Dazu gehören auch ein gutes Paar Hausschuhe. Hygiene wird im Judo großgeschrieben. Der Judogi darf nicht schmutzig, nicht zerrissen sein oder unangenehm riechen. Der Judoka selbst sollte immer saubere Füße und Hände, kurz geschnittene Finger- und Zehennägel haben. Die Hausschuhe benötigt er, wenn er nicht auf der Matte ist.

Unser Sport wird barfüßig ausgeübt. Aus diesem Grund muss er bei Verlassen oder vor Betreten der Matte die Hausschuhe tragen. Denn beim Ausüben des Sportes liegen die Judoka auch auf der Matte und nicht selten auch mit dem Gesicht darauf. Daher sollten die Füße auch nicht schmutzig werden.

Den gegenseitigen Respekt bezeugen die Judoka durch ihr korrektes Verhalten zueinander. Beim Betreten der Matte und beim Verlassen verbeugt man sich, ebenso vor und nach einem Trainingskampf (Randori). Vor und nach einer Trainingsstunde verbeugt man sich zum Lehrer und der Lehrer zu den Schülern. Denn die Höflichkeit und der Respekt ist unabhängig davon, wie alt die Sportler sind, welche Gürtelfarbe sie haben oder wie lange sie den Sport ausüben.

 

Was genau können die Schüler bei dir lernen? Vermittelst du neben der reinen Technik des Judos auch die dazugehörige Philosophie? Liegt dir die Weitergabe deines Wissens und deiner Erfahrungen in diesem Bereich besonders am Herzen?

Unsere Schüler (ob Kinder oder Erwachsene) erlernen bei uns das gesamte Spektrum, das der Kampfsport Judo zu bieten hat. Körperliche Ausbildung, Wettkampf, Selbstverteidigung.
Ganz am Anfang muss man sich mit den Fallübungen vertraut machen. Das gefahrlose Fallen ist sehr wichtig. Sowohl der Ausführende (Tori), als auch derjenige, der eine Technik „erduldet“ (Uke) müssen darauf vertrauen, dass der jeweils andere gut fallen kann, damit niemand verletzt wird. Schon hier erfährt der Anfänger, dass es Muskelgruppen an seinem Körper gibt, die er noch nie in Anspruch genommen hat.

Mit den ersten Fallübungen werden auch schon erste Vorübungen für kommende Wurftechniken verbunden, sodass ein kontinuierliches und schonendes Heranführen an die komplexen Techniken gegeben ist. So kann die anfängliche Angst genommen werden und mit der Zeit wird man immer sicherer und selbstbewusster.

Neben den Wurftechniken gibt es aber auch zahlreiche Techniken am Boden: Haltegriffe, Würgegriffe, Hebelgriffe. Auch sie muss man erlernen und auch hier gilt der Grundsatz, dass man zuerst einfache und später immer komplexere Techniken übt. Schon bei diesen ersten Übungen, aber kontinuierlich während des ganzen Übens passen die Partner immer gegenseitig auf sich auf. Sobald im Boden eine Technik bis zum Schmerzpunkt durchgezogen wird, klopft der Partner ab, um dies dem anderen anzuzeigen.

Dieser löst darauf sofort den Griff. Gleiches bei Wurftechniken, wobei der werfende Judoka den geworfenen immer sichert. So kommen schwere Verletzungen kaum vor. Kleinere Blessuren, blaue Flecken, Verstauchungen oder Prellungen können immer wieder vorkommen, sind aber ebenfalls sehr selten. – Judo ist nun mal eine Kampfsportart mit vollem Körpereinsatz.

Hier kommt die tiefe Philosophie des Judo zur Anwendung. Man kann alleine keine Fortschritte machen. Man ist immer auf den Partner, auf die Partnerin angewiesen. Beide müssen zusammenarbeiten, um Fortschritte machen zu können. Nur durch die gegenseitige Unterstützung kann man sein Ziel erreichen. Anderen Werte, die im Judo dazu noch verankert sind, ergeben eine Schulung der Persönlichkeit und des Selbstbewusstseins, die es so in keiner anderen Sportart gibt. Daher ist Judo für jedes Alter eine Bereicherung. Für die jungen Ungestümen, die erst lernen müssen, sich zu beherrschen, sich einzuordnen und ihre Stärken und Schwächen auszuloten, aber auch für die älteren Bedachten, die ihre Erfahrung und ihr Wissen weitergeben können, aber immer noch was Neues dazu lernen wollen.

 

Für Jung und Alt geeignet 

Judo hat viel zu bieten: Ob junge oder ältere Menschen – hier kann jeder noch etwas lernen, eine bessere Körperbeherrschung entwickeln, sich aber auch mit der Philosophie, die hinter dieser traditionellen Sportart steckt, auseinandersetzen. Ausgelernt hat bei ihr noch keiner und nach dem 1. Dan ist noch lange nicht Schluss.

Jeder ist – besonders Kinder – herzlich willkommen, egal woher er kommt, woran er glaubt oder in welcher Lebensphase er sich gerade befindet. Wichtig ist noch der sogenannte Judogi, Hausschuhe, Hygiene und natürlich die Beachtung der internen Regeln. 

Wir bedanken uns bei Erwin Schön für seine Zeit und für dieses sehr interessante wie aufschlussreiche Interview!

Artikel teilen:
Condividi su Facebook Condividi su Twitter Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin Condividi su Linkedin
Veröffentlicht am von Verena Arnold
TAG:
Ähnliche Artikel:

Laveco e.U.

Reinigungsarbeiten in Bockfließ
geschrieben von Gert O. am 26. November
Ermin Kabaklija und seine Lebensgefährtin haben wirklich tolle Arbeit geleistet. Bei mir wurde letzte Woche die Fas...

Darja Vepritzky Personal Nutrition Training

Ernährungsberater in Brunn am Gebirge
geschrieben von Ekaterina T. am 14. Dezember
Wenn man zu einer Ernährungsberatung geht, dann hofft man auf Verständniss für die eigene Problematik und die Vermi...

DJ Hernandez

DJ in Mutters
geschrieben von Elvedina Z. am 7. März
Sehr gut gewählte Musikauswahl und sorgt für eine gute Stimmung über die gesamte Dauer des Abends. Jederzeit wieder...

TamaraP

Übersetzungen in Leopoldsdorf
geschrieben von Matea T. am 7. Februar
Sie arbeitet detailliert und genau und alles wird innerhalb der Frist geliefert. Eine sehr positive Person und dahe...

Andreas Burgstaller

Fotografie-Dienstleistungen in Wien
geschrieben von Anna S. am 15. Februar
Herr Burgstaller hat von allen Bürokollegen und Kolleginnen Portraitfotos für unser Intranet gemacht und bestens di...

Lacotec e.U

Malerarbeiten in Oberhaag
geschrieben von Antonio M am 29. März
Ausmalen Altbauwohnung Zimmer, Küche, Kabinett ca. 97. Kompetent, zuverlässig, rasch und ordentlich; Auftrag zur v...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wie es funktioniert

Auftrag einstellen
1

Auftrag einstellen

In nur wenigen Klicks angeben, was du benötigst.
Angebote vergleichen
2

Angebote vergleichen

In wenigen Stunden erhältst du bis zu 5 individuelle Angebote.
Such deinen Pro aus
3

Such deinen Pro aus

Nachdem du deine Angebote erhalten hast und die Anbieter verglichen hast, kannst du einfach den überzeugendsten Pro aussuchen.