Die Kunst, Raum zu organisieren

Veröffentlicht am 26 Mai 2019 von Verena Arnold
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Der Beruf des Architekten ist komplex, aufregend und vielfältig. Um mehr darüber zu erfahren, sprachen wir mit Architekt Hermann Proyer von Proyer & Proyer Architekten-OEG. Im Interview spricht er über den Werdegang der Firma, Architekturwettbewerbe und die österreichische Baukultur.

Die Transformation von Hermann Proyer zum Architekten begann in seinem letzten Jahr seiner Ausbildung zum Tiefbauingenieur an der HTL Mödling. Damals entdeckte er seine Leidenschaft für den Beruf. Darauf folgte dann auch das Studium für Architektur an der TU Graz, wo er auch eine Assistententätigkeit ausübte. Gefolgt war dies von Preisen und Seminarbeteiligungen, durch einen Zufall ergab sich die Möglichkeit für Arbeiten in Zentralamerika, was Proyer als extrem bereichernd beschreibt.

Im Rahmen seiner beruflichen Praxis sind durch permanente Weiterbildung in der Zeit vor dem Architekturbüro, Kenntnisse der baulichen Ausführungen bis zu wirtschaftlichen Kompetenzen im Bauträgerbereich ergänzt worden. Ebenso kam die Ausbildung als Sachverständiger für Hochbau und Immobilienbewertung hinzu. Ein weiterer Schwerpunkt ist entstanden durch Tätigkeiten im Bereich der Passivhausentwicklung, die von jahrelanger Erfahrung und zahlreichen Bildungsveranstaltungen und Vorträgen geprägt waren. Als Obmann der IG Passivhaus ist das Thema Energie und Bau ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung und dann der Arbeiten geworden.

Ursprünglich beschäftigte das Büro 15 Mitarbeiter. 2015 lagerte man Tätigkeiten, die sehr fachspezifisch sind, aus, sodass das Proyer Team sich mit verkleinerter Mitarbeiterzahl von 4 Architekten dem Kerngeschäft, der Architektur, widmet. Durch die Verlagerung von Ressourcen nach außen sind die Möglichkeiten besser dem Bedarf angepasst. So kann man sie auch intensiver nutzen. Beispielsweise sind Energieberechnungen und Konzepte früher von dem Team selbst entwickelt worden, heute greifen sie auf das Wissen von vielen Fachbüros zurück und können dadurch leistungs- und aufgabenbezogener Arbeiten ergänzen.

Wir haben mit dem Architekten Hermann Proyer gesprochen

 

Proyer wurde 1989 gegründet, habt ihr sie gemeinsam gegründet? Wie war der Werdegang der Firma? Wann habt ihr begonnen Auslandsangebote zu übernehmen?

Richtig ist, dass das Büro Proyer Karin 1989 gegründet wurde und von ihr bis 1996 allein geleitet wurde. Das Büro Proyer Hermann gründete ich erst 1995, da ich bei einem größeren Bauunternehmen in Leitungsfunktion beschäftigt war. 1995 bin ich zurück in den Architekturberuf gewechselt und 1996 haben wir beide Büros aus Synergiezweck zusammengelegt und das Büro Proyer & Proyer Architekten OG gegründet. Für die zu diesem Zeitpunkt vorhandenen größeren Projekte war eine Zusammenarbeit wesentlich und konnte besser bewältigt werden.

Durch Folgeaufträge und gewonnene Wettbewerbe erweiterte sich das Tätigkeitsfeld unseres Büros und auch das Thema Energieeinsparung, Passivhaus entwickelte sich zu einem zentralen Element in den Arbeiten. So konnten wir bereits im Jahr 2000 das österreichweit prämierte beste Passivhaus Österreichs errichten, unser Wissen in den Bau der größten Kindergartenpädagogikschule anwenden und damit gute Ergebnisse erzielen. Da wir in den Jahren vorher im Ausland tätig waren, Karin Proyer in Deutschland, beide in Zentralamerika, wurden weitere Auslandsarbeiten an uns herangetragen, die wir zwischen 2003 und 2008 realisieren konnten. Die Bankenkrise 2008 hat allerdings ein weiteres Engagement in dieser Richtung nicht zugelassen.

 

Ein Architektenwettbewerb ist eine recht große Herausforderung zum Leistungsvergleich. Nehmt ihr an solchen Wettbewerben teil? Was für Vorteile haben diese Wettbewerbe, lohnen sie sich für die Firma?

Der Bereich der Wettbewerbe begleitet uns natürlich seit Beginn unserer Arbeiten. Glücklicherweise können wir einen großen Teil unserer Erfolge aufgrund von gewonnenen Wettbewerben gründen. Wettbewerbe steigern den Bekanntheitsgrad eines Unternehmens. Zudem geben damit auch die Bereitschaft zum Ausdruck, sich an den Besten messen zu lassen. Es ist aber ebenfalls eine Herausforderung für ein Büro aus finanzieller Sicht wie auch aus den vorhandenen Ressourcen im Unternehmen. Wettbewerbe sind auch eine Methode sich immer weiterzuentwickeln, da die Anforderungen ständig steigen. Aus finanzieller Sicht sind Wettbewerbe kein Vorteil. Sie bieten aber bei gewonnenen Beiträgen die Möglichkeit, an öffentlichen und nur über Wettbewerbe laufenden Vergaben mitzuwirken und im besten Fall zu realisieren. Erst bei großen Objekten wird der finanzielle Aufwand im Realisierungsfall auch ein wirtschaftlicher Erfolg.

Auch einige Wettbewerbe konnte das Architekturbüro bereits gewinnen

 

In der Architektur haben sich die Arbeitsutensilien in den letzten Jahren sehr verändert. Ist das auch bei euch der Fall? Welches ist euer bestes Arbeitsutensil?

In unserem Büro gibt es, die vorangegangenen Jahre mitgerechnet, seit 1984 die EDV, den Computer im Büro. Die Entwicklungen sind rasend schnell und das hat sich in den letzten Jahren immer gesteigert. Die jetzt bereits angewendete Methode des BIM (Building Information Modelling) haben wir bereits in den letzten Jahren getestet und probiert. Es wäre nicht realistisch, wenn nur die aus technischer Sicht sicherlich vorhandenen Vorteile hier angesprochen würden.

Davon gibt es genug und es macht auch Freude, die neuesten Fortschritte und Möglichkeiten zu kennen und damit zu arbeiten. Doch es bedeutet einen ungeheuerlichen Aufwand, der bei kleineren Büros auf Dauer nicht zu tragen ist. Die permanente Weiterbildung, die dabei notwendig ist, hat hier sicher einen riesigen Vorteil. Doch es kommt auch zunehmend die Qualität der Architektur unter Druck. Denn vieles wird nur mehr von den technischen Möglichkeiten der digitalen Umsetzung bestimmt. Die Möglichkeiten der technischen Darstellung bestimmt zunehmen die Sprache der Architektur. Das ist ein sicher breites Feld, das hier zu diskutieren wäre.

 

Wie würdet ihr die österreichische Baukultur beschreiben? Steht sie der Modernisierung offen gegenüber?

Es ist interessant, wie unterschiedlich Baukultur in den Bundesländern gesehen und auch wahrgenommen wird. Vorarlberg hat eine ungeheuer gut entwickelte Baukultur. Mehr gegen Osten gibt es gute Bauten, aber ob das mit Baukultur zu tun hat möchte ich manchmal bezweifeln. Architekten machen sicher in vielen Fällen so gut es geht den Schritt zur Baukultur. Die öffentliche Hand sieht auch manche dieser Bemühungen positiv. Aber sehen wir den Bereich des Bodenverbrauches, den Bereich des in Bundesländern oft gehandhabten Wohnbaues, die Zersiedelung und konzeptloses Vorgehen in Orts- und Dorfentwicklung.

Es ist eine Kompetenzfrage auf der einen Seite, auf der anderen gibt es noch ein großes Unverständnis gegenüber architektonischer Qualität und der Notwendigkeit des damit verbundenen Aufwandes. Was ist heute modern? Ist es das „enkelwürdige Bauen“, ist es das weggehen von traditionellen Formen. Vielleicht ist es das gefühlvolle Einbinden von architektonischen Maßnahmen in den Kontext von wirtschaftlicher Vertretbarkeit und gesellschaftlichen, sozialen und formalen Bindungen. Architektur muss sich immer einer Sprache bedienen, die nicht nur das heute Verstandene, sondern auch die Möglichkeit des zukünftigen Verstehens mit einbezieht. So gesehen ist modern eine Beschreibung für einen Zeitbegriff, der den Raum auch in den anderen noch folgenden Zeiten erkennen lassen soll. In unserem Büro ist über den Glastüren der Spruch von J. Courbet gezeichnet „Der Raum ist dem Ort, was die Ewigkeit der Zeit ist“ und weist damit auf diese Aufgabe hin.

Die Baukultur wird in allen Bundesländern unterschiedlich gesehen

 

Architektur entwickelt sich immer weiter

Aus dem Interview mit Hermann Proyer wird klar, dass der Anspruch an Architektur und somit auch der Beruf des Architekten sich stets weiterentwickelt und ändert. Es ist interessant zu beobachten und es war uns eine Freude, mit einem echten Experten darüber zu sprechen. Wir bedanken uns bei Herrn Proyer für das interessante Interview und die vielen Einblicke und wünschen Proyer & Proyer weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.

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