Die Faszination Musik aufzunehmen

Veröffentlicht am 10 Juni 2019 von Verena Arnold
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Bereits im Alter von 14 Jahren war für Werner Angerer, geboren 1980 in St. Pölten, klar, dass er unbedingt die Musik zu seinem Beruf machen möchte. Zuerst hatte er zwar vor die E-Gitarre zu studieren. Mit 17 Jahren entdeckte er jedoch die Studienrichtung Tonmeister und wusste, dass er diesen Weg verfolgen möchte. Deshalb begann er schon während der Studienzeit, CD-Produktionen von MusikerInnen aufzunehmen. Der Schwerpunkt lag dabei meist auf akustischer Musik.

Die Möglichkeiten, Musik festzuhalten und Instrumente akustisch ausnehmend detailreich darzustellen, faszinierten ihn so sehr, dass er beschloss, sich intensiv für die Aufnahmeprüfung für das fünfjährige Tonmeister-Studium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien vorzubereiten. Der 38-Jährige wurde für die Ausbildung nicht nur zugelassen, sondern hat sich auch noch mit Auszeichnung abgeschlossen.

Aber erst mit den Acoustic Art Studios hat er sich schließlich die gewerbliche Infrastruktur geschaffen, um aus dieser Faszination einen Beruf zu machen. Das Studio befindet sich in Wien.

Werner Angerer in seinem Element

 

Werner, du bist Inhaber der Acoustic Art Studios. Welches Schlüsselerlebnis hat dich dort hingeführt? Was macht dir besonders Freude an deiner Arbeit?

Bei Aufnahmen genieße ich sehr die soziale und persönliche Komponente. Man befindet sich bei Aufnahmen gemeinsam in einer Extremsituation wieder, in der hohe intellektuelle und emotionale Konzentration von allen Beteiligten gefordert wird. Dadurch sind Begegnungen mit den MusikerInnen intensiv und auch meistens sehr unterhaltsam. Ich liebe es, wenn bei Aufnahmen Takes passieren, die herausragend sind in ihrer emotionalen Intensität. In diesen Momenten hat man das Gefühl, das niemand wirklich darauf Einfluss hatte und auch nichts passieren konnte. Das ist schwer zu erklären und auch recht selten.

Bei der Nachbearbeitung von Aufnahmen genieße ich es, dass emotionale, intuitive, analytische, technische Komponenten gleichbedeutend berücksichtigt und vereint werden müssen, um ein stimmiges Klangbild für die jeweilige Musik zu kreieren. Man wird gefordert und hat nie das Bedürfnis auf die Uhr zu sehen, wann endlich der Arbeitstag vorbei ist.

 

Was benötigt man, um hochqualitative Aufnahmen machen zu können? Welche Ausstattung in deinem Studio ist unverzichtbar? Verwendest du spezielle Softwares?

Auf die Gefahr hin, einige berühmte Kollegen zu wiederholen: Am wichtigsten ist die musikalische und klangliche Qualität, die vor dem Mikrofon passiert. Ein ausgewogener Naturklang ist gekoppelt an eine in sich stimmige musikalische Performance. Ich habe Situationen erlebt, bei denen es nahezu egal gewesen wäre, welches Mikrofon ich verwendet hätte. Alle hatten eine unterschiedliche Färbung, aber ich habe jedem gerne zugehört. In anderen Fällen fand ich nur schwer das passende Mikrofon.

Dennoch finde ich, dass jedes Glied in der Aufnahmekette hochwertig sein sollte, um das Klangereignis möglichst groß, intensiv und vollständig einfangen zu können. Die Qualität eines Mikrofons zeigt sich oftmals in Extremen, wie etwa die Auflösung in verschiedenen Dynamikstufen, die Umsetzung der Richtcharakteristik oder der Klang des Überspruchs anderer Instrumente ins Mikrofon. Natürlich sind auch die verwendeten Vorverstärker essentiell, jedoch in Abhängigkeit des verwendeten Mikrofons unterschiedlich kritisch.

Ein Bändchen-Mikrofon benötigt eine sehr hohe Vorverstärkung und sollte daher mit einem Vorverstärker betrieben werden, der seine Arbeit wirklich gut macht. Hochpegelige Mikrofone wie eines meiner Lieblinge – das DPA 4006 – liefern annähernd Line-Pegel und sind daher hinsichtlich der Vorverstärkung sehr dankbar. Sollte der Preamp-Pool beschränkt sein, rate ich, das zu berücksichtigen. Hinsichtlich der Aufnahmeräume sind, meiner Erfahrung nach, schnelle Erstreflexionen kritisch und hohe Räume von Vorteil. Für mich gilt: Weg von den Wänden und den Begrenzungsflächen.

Für den Mixdown und das Mastering von Aufnahmen ist für mich die Abhörsituation das allerwichtigste. Natürlich unterscheiden sich sämtliche EQs und Kompressoren in ihrer Klangfarbe und ihrem Verhalten, jedoch lässt sich, meiner Meinung nach, mit jedem Equipment mehr oder weniger gut die notwendigen Eingriffe machen, wenn man seine Abhörsituation kennt und sich darauf verlassen kann. Daher würde ich meine Innenakustik und meine Lautsprecher-Konstellation als unverzichtbare Ausstattung nennen. Ich führe meine Aufnahmen in unterschiedlichen Studios durch und setze daher beim Recording sehr auf meinen Sennheiser HD650 Kopfhörer, da ich dadurch weiß, woran ich bin – unabhängig von der Studio-Abhöre und der Innenakustik.

Hoch qualitatives Equipment ist wichtig, was vor dem Mikrofon passiert aber wichtiger

 

Bringst du bei deinen Aufnahmen auch immer eine persönliche Note mit rein? Welche Ausbildungen hast du gemacht, um deinen Beruf ausüben zu können? Wo liegt dein persönliches Interesse, oder welche Art von Aufnahmen machen dir besonders viel Freude?

Ich denke, dass kann man gar nicht verhindern, wenn man an Aufnahmen arbeitet. Ich versuche, Musik so zu mixen, wie ich sie höre und empfinde. Im Vorfeld lasse ich mir von den MusikerInnen Referenzen schicken, die klanglich und musikalisch relevant für sie waren und sind. Ich nehme sie als Inspiration, halte aber nicht viel davon, den Sound von einer schon realisierten Produktion kopieren zu versuchen. Das funktioniert nicht, da jede Aufnahme von Grund auf anders ist und auch seinen eigenen Klang braucht.

Es ist zeitintensiv und lenkt sehr vom Wesentlichen ab, wenn man versucht etwas nachzustellen, dass damals auch intuitiv passiert ist. Diese Referenzen helfen aber, die Vorstellungen der MusikerInnen und seine eigenen etwas zu synchronisieren. Eine persönliche Note hat für mich etwas Statisches: Das auf Biegen und Brechen in jeden Mix rein muss – davon halte ich nichts. Denn ich versuche jeden Mixdown frisch und möglichst intuitiv anzugehen.

Ich habe das Tonmeister-Studium auf der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien absolviert.

Ich befasse mich sehr gerne mit Musik und dem Hörer an sich und versuche bei akustischen Aufnahmen immer, Instrumente um die Spur größer darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Grundsätzlich finde ich alle Arten von Aufnahmen spannend, sofern die musikalische Qualität und der Sinn dahinter stimmt.

 

Wie läuft bei dir eine Studioaufnahme ab und wie hoch sind die Kosten dafür?

Das ist sehr abhängig von der Produktion. Oftmals habe ich Aufnahmen, bei denen das ganze Ensemble beziehungsweise die Band gleichzeitig aufnimmt, daher arbeite ich oft in Studios mit mehreren getrennten Räumen.

Ich versuche meistens das Setup schon vorzubereiten, bevor die MusikerInnen eintreffen, um Wartezeiten möglichst gering zu halten, da sich das auf die Grundstimmung während der Aufnahme auswirken kann.

Meine Rolle ist meistens eine Mischform aus Tonmeister und Aufnahmeleiter. Für die Nachbearbeitung gebe ich meistens eine Schätzung zum zeitlichen und finanziellen Aufwand ab. Das ist von vielen Faktoren abhängig, beispielsweise, ob alles gleichzeitig aufgenommen wird, ob es mehrere Sessions gibt, ob overgedubbed wird, wie unterschiedlich die Stücke und Besetzungen sind, welcher Musikstil es ist und so weiter. Ich verrechne Aufnahmen meistens mit Tagespauschalen und die Nachbearbeitung per Stundensatz. Dieser wird mit der Dauer der Produktion nach unten korrigiert.

Der 38-Jährige beschäftigt sich grundsätzlich gerne mit Musik

 

Bei Bedarf gibt es Unterstützung

Tatsächlich spielt Werner Angerer seit seinem 10. Lebensjahr die Gitarre, wodurch er den perfekten Einstieg in die Musik hatte. Heute führt er in seinem Studio die meisten Arbeiten und Produktionen allein durch. Lässt es das Budget zu oder verlangt es der Produktionsaufwand, heuert er ein oder zwei Kollegen als Assistenten an, die er dann auf Honorarnoten-Basis entlohnt. Ab und an lässt er seine Produktionen bei einem ausgewählten Kollegen mastern.

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