Architektur außerhalb der Konventionen

Veröffentlicht am 13 März 2019 von Verena Arnold
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Architektur ist überall. Vom Stuhl, über die Inneneinrichtung und Installationen bis hin zu Neubauten von Einfamilienhäusern, Schulen und Museen. Trotzdem nehmen die meisten sie kaum aktiv wahr, sondern akzeptieren einfach, dass sie stehen und gebaut werden. Doch welche Arbeit, Visionen und Gedanken hinter den Mauern und Designs vergraben liegen, ist viel mehr. Über diese Arbeit, sein Verständnis von Architektur und seine Arbeits- und Lehrmethoden berichtet Bence Pap vom Architekturbüro ATELIERPAP im folgenden Interview.

1979 in Ungarn geboren, war Bence in seiner Familie nur von Tätigkeiten im medizinischen Bereich umgeben. Dennoch entschied er sich von vornherein nach der Schule einen anderen Weg zu gehen und ist dort auch bis heute geblieben – genau die richtige Entscheidung. Zunächst studierte er Architektur an der TU Wien und diplomierte 2006 an der Universität für Angewandte Kunst. Nach kurzer Lehrtätigkeit in Barcelona, arbeitete er vier Jahre in London für das Büro von Zaha Hadid und leitete wichtige kulturelle Projekte weltweit. Seit 2011 ist Bence wieder zurück in Wien, stieg als Assistent an der Universität für Angewandte Kunst in die Lehre ein und gründete 2015 ATELIERPAP.

Sein Unternehmen versteht er als experimentelles Architekturbüro, welches stets nach neuen räumlichen Lösungen und Ausdrucksformen im gesellschaftskulturellem Kontext sucht. Die Entwürfe und angedachten Projekten hinterfragen immanente zeitgenössische Fragen, wie wir leben, arbeiten, kommunizieren und uns sozialisieren. Architektur wird hier als ein subtiles Mittel verstanden die diese Prozesse in Ihren Konventionen hinterfragt und fordert. In seinem Unternehmen arbeitet er, je nach Anforderung, entweder allein oder in einem Team von vier bis fünf Mitarbeitern aus aller Welt – ein bunter kultureller Mix, der inspiriert und sich gegenseitig weiterbilden kann.

Unser Interviewpartner Bence Pap ist Architekt

 

Bence, was hilft dir, Ideen für deine Projekte zu finden? Welchen Anteil nimmt an diesem Prozess die technische Kalkulation und wieviel Platz bleibt für rein schöpferische Fantasie?

Ein Projekt ist in seinem Prozess oft mit einem Schneeballeffekt zu vergleichen. Manchmal fein rieselnder Pulverschnee, manchmal aber auch eine interessante Lawine. Geschwindigkeit und Umfang sind in einem ständigen Flux. Am Anfang stehen oft die Pragmatismen und die Bedingungen, die ein Projekt schnüren. Diese muss man verstehen, sich aber auch mental von ihnen befreien und sie geschickt im Hinterkopf als ein Instrument für spätere Anwendung behalten.  Architektur ist nicht nur eine präzise Antwort auf eine Ausschreibung oder Aufgabenstellung, sondern hat auch eine gewisse Autonomie an sich, die einem Projekt seinen Charakter verleiht. Es ist wichtig, außerhalb der Konventionen zu denken. Das ist (sofern es einem gelingt) Architektur und zu unterscheiden von Gebäuden und Bauwerken mit Qualitäten, die der Architektur zuzuschreiben sind. Da ist ein feiner Unterschied.

Ich persönlich bin sehr an Architektur interessiert. Hinzu kommen oft die persönlichen Anforderungen und Vorstellungen eines Kunden oder Auftraggebers, die oft einen längeren Prozess und Dialog bilden. Diese Zusammenarbeit ist mir ebenfalls sehr wichtig. Ich glaube daran, dass der Kern eines Projektes frei von Pragmatismen, Konventionen und anderen Bedingungen gedacht werden muss – in erster Instanz. Es ist eine sehr feine „Balance“ das Architekten hier intuitiv lenken, und somit bei jedem Projekt neu ausloten, wo die Grenze zwischen den gegebenen Anforderungen liegt – die auch kreativ beantwortet werden müssen – und in welchen Bereichen dann freieres Schöpfungspotenzial vorhanden ist. Es ist ein spannendes Wechselspiel.

 

Was heißt für dich zeitgenössische Baukultur? Welche Ideen und Konzepte verfolgst du in Rahmen deiner Projekte in erster Linie?

Alles, was im öffentlich sozialen, virtuellen, physischen Raum tritt und geteilt wird, ob Musik, Literatur, Kunst oder Architektur – alles ist als ein kultureller Beitrag zu verstehn. Ob diese dann einen guten Beitrag zu unserer Kultur bilden –  oder nicht – ist eine vollkommen andere Diskussion und darauf gehe ich hier nicht ein. Heute haben wir eine „Lifestyle“ orientierte Kultur – Übersättigung mit einer „Kauf dich Glücklich“ Mentalität. Visuell geprägt, oft mit flachen Inhalten. Man muss schon lange suchen um Qualitäten zu finden, die argumentierbar sind. Dies ist nicht nur Geschmackssache.  

Architektur ist in meiner Auffassung ein Instrument, um Leute zum Nachdenken anzuregen und nicht das Wasser aus einem Raum mit Dächern und Wänden auszugrenzen. Nachdenken über die banalsten Dinge, wie eine Küche funktioniert, bis hinzu größeren Fragen, wie man sich als eine Institution mit Architektur präsentieren möchte und wie Architektur unser soziales Zusammenleben und Urbanität beeinflussen. Das sind grundlegende Fragen, mit denen wir uns beschäftigen.

In unseren Projekten stehen diese Fragen am Anfang oft im Vordergrund und die Herausforderung ist, die richtigen Fragen im Bezug auf das Projekt zu finden. Dies ist ein Prozess und oft mit „research“ verbunden. Ich orientiere mich gerne auch an historischen Projekten, man muss Konzepte nicht immer neu erfinden – Recycling ist in der Architektur okay. So formiert sich oft am Anfang ein grobes nacktes Konzept. Diesem Konzept dann Ausdruck, Finesse, technisch und ökologische Stützen zu verleihen, ist dann als die klassische „Design“ – Aufgabe zu verstehen. Im Grunde unterscheiden sich aber die beiden Prozesse der Konzepterstellung und die des Designs nicht voneinander. Wir gehen hier mit derselben Hingabe und Methodik vor.

Architektur ist eine spannende, kreative Aufgabe, die sich mit Inhalten auseinandersetzt, die über das Offensichtliche hinausgeht und neue Zusammenhänge und Verknüpfungen erstellt. Gerade heute in einer Welt, in der Information und dessen omnipräsente Verfügbarkeit unser Leben prägt, sehe ich Architektur als etwas, das zwischen diesen Punkten Verknüpfungen erstellt. So verstehen wir die Welt um ein Stück besser.

Architektur ist ein Instrument, um Leute zum Nachdenken anzuregen

 

Welche Utensilien verwendest du bei Entwurfserstellung am liebsten und warum?

Texte als Inspiration kommen fast immer zuerst. Es ist eine Reise aus abstrakten Gedanken und Ideen zur materiellen Verwirklichung. Dieser Prozess muss geplant sein und darf nicht zu langsam oder zu schnell passieren. Dann bedienen wir uns aber auch sicherlich mit visueller Stimulation. Dem entkommt man ja fast nicht. Gerne historisch aus Büchern und nicht immer nur „Google“ oder „Pinterest“.  Ich schweife aber auch gerne in andere Designdisziplinen ab, um Inspiration zu finden. Mode, Kunst, Musik und schnellere Medien als Architektur bieten hier eine ideale Basis. Es ist spannend, wenn Grenzen verschwimmen oder sie in Gedanken zum Verschwimmen gebracht werden – zwischen Disziplinen. Im „Niemandsland“ finden sich die besten Ideen.

ATELIERPAP stellt sich auch in Internationalen Ausschreibungen dem Wettbewerb. Hier zum Beispiel für das Guggenheim Museum in Helsinki

Wir arbeiten sehr viel digital. So habe ich es von der ersten Stunde damals noch als Studienversuch an der TU Wien mit FormZ im ersten Jahr gelernt. Ich sehe keinen Unterschied zum Bleistift und der Computermaus. Architektur ist eine dreidimensionale Choreographie –  der Computer ist hierzu ein ideales, schnelles, fehlerverzeihendes Instrument. Dies gesagt, muss ich aber auch zugeben, dass sich natürlich die Wahrnehmung ändert, sobald wir zum Beispiel in ein physisches Modell wechseln. Man entdeckt immer kreatives Potenzial, sofern man Medien wechselt. Deswegen nutzen wir Computer, aber dann auch sicherlich gerne Modellbau, „blue“ Foam, digitale Fertigungsmethoden, 3D Drucker usw. Wir bedienen hier die gesamte Palette.

Seit kurzem arbeiten wir sehr viel mit Augmented-Reality also eine visuelle Überlagerung unserer Wahrnehmung mit digitaler Information. Diese Technologie wird in Zukunft viel in der Welt verändern und uns ist es wichtig, die Möglichkeiten von Anfang an zu verstehen um dazu unseren Beitrag zu leisten. Mehrere Projekt mit und um Augmented-Reality befinden sich momentan in der Bearbeitung im Büro.

 

Parallel arbeitest du noch beim Studio Greg Lynn, das zur Universität für Angewandte Kunst Wien gehört. Welchen Beitrag leistest du zur Tätigkeit dieses Studios? Welche pädagogischen Ziele werden vom Studio-Team verfolgt? Hatten ATELIERPAP und Studio Greg Lynn schon gemeinsame Projekte? Wenn ja, welche?

Das Unterrichten ist mir extrem wichtig. Es gibt kaum etwas, das mich mehr motiviert als mit Studenten zusammenzuarbeiten und ihnen bei ihren Aufgaben und Projekten zu helfen. In drei Jahren wachsen Bachelor Architekten zu gleichgesinnten, super talentierten Architekten heran, die oft Ihren eigenen Zugang und Problematik in unserem Berufsbild definieren, an dem sie auch nach dem Studium arbeiten. Teil dieses Prozesses zu sein und dazu einen Beitrag leisten zu dürfen, ist ein Privileg. Natürlich beflügelt aber das freie Arbeiten auf der Uni auch meine eigene Arbeit.

Die Auseinandersetzung mit Augmented-Reality innerhalb der Architektur hat für mich seinen Ursprung im Studio. Greg ist genial darin, Fortschritt und neue Technologien weit im Vorfeld schon zu erkennen, und diese den Studenten als Konzepte und Instrumente für ihre Arbeiten zu vermitteln. Ich schätze mich glücklich, Teil dieses Teams zu sein.

ATELIERPAP arbeitet bei der Entwurfsenstellung viel mit digitalen Mitteln

 

Architektur im digitalen Zeitalter

Ein Architekturbüro, das voran geht. ATELIERPAP entwickelt nicht nur Konzepte und erstellt zeitgenössische Baukunst, die Sinn und Gestalt geben sollen. Der Inhaber Bence Pap beschäftigt sich mit vielfältigen Themen rundum die Architektur und die Medien, die dabei eingesetzt werden können. So verwendet er beispielsweise auch Augmented-Reality, 3D Drucker und hat Stift und Papier gegen die Computermaus eingetauscht. Aber nicht nur in seinem eigenen Atelier ist er tätig und mit Herz und Seele in die Welt der Architektur eingetaucht. Seine Interessen lebt er auch im Unterrichten und im Studio Greg Lynn aus.

Vor allem das Dozieren ist für ihn wichtig und inspiriert ihn bei seiner täglichen Arbeit. So schafft er nicht nur Projekte und Designs von Möbelentwurfen, Installationen, Innenraumgestaltung und Neubauten, er sorgt auch gleichzeitig dafür, dass junge und interessierte Studenten die gleiche Leidenschaft weiter ausleben können.

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